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Die Homöopathie

wurde von Samuel Hahnemann (1755-1843) entwickelt. Sie verwendet Stoffe von Pflanzen, Tieren und Mineralien. Da viele der verwendeten Stoffe in ihrer Ursubstanz starke Nebenwirkungen verursachen können, erfand Hahnemann die Potenzierung: ein Verfahren, bei dem die Stoffe verdünnt und kräftig verschüttelt werden. Mit den so verarbeiteten Stoffen ist eine sanfte Heilung ohne Nebenwirkungen möglich.

Die homöopathische Behandlung beginnt mit einer Befragung (Anamnese) von 1-2 Stunden Dauer. Dabei werden nicht nur die akuten Beschwerden, sondern auch Allgemeines wie Schlaf und Appetit, sowie frühere Erkrankungen und Krankheiten in der Familie ermittelt. Anschließend werden die geschilderten Beschwerden mit den bekannten homöopathischen Mitteln verglichen bis das geeignete Mittel gefunden ist. Dies kann mehrere Stunden in Anspruch nehmen. Der Patient erhält dann sein Rezept und die weitere Vorgehensweise wird abgesprochen.

Samuel Hahnemann

Er wurde am 10.4.1755 in Meißen als Sohn eines Porzellanmalers geboren und war somit ein Zeitgenosse von Goethe und Napoleon. Eine Lehre in einer Materialwarenhandlung brach er ab, um weiter zur Schule zu gehen und schließlich in Leipzig und später in Wien Medizin zu studieren. Er war sehr sprachbegabt und bestritt in dieser Zeit seinen Lebensunterhalt mit Übersetzungen und Sprachunterricht. Mit Anfang zwanzig ging er nach Siebenbürgen als Hausarzt und Bibliothekar des Statthalters von Siebenbürgen. In dieser Zeit in Siebenbürgen machte er Bekanntschaft mit dem Wechselfieber, was sich später als bedeutsam für die Homöopathie herausstellen sollte.

1779 (vierundzwanzigjährig) ging er zurück nach Deutschland, machte an der Universität Erlangen sein Doktorexamen und ließ sich in der sächsischen Stadt Hettstedt als Arzt nieder. Er war ein neugieriger Forschergeist. Entgegen der ärztlichen Lehrmeinung übernahm er Elemente der Volksmedizin (z.B. Bäder) in seine Behandlungsmethoden. Außerdem forschte er über diätetische (Ernährungs-) und hygienische Maßnahmen und schrieb viele Veröffentlichungen.

Später zog er nach Dessau um, lernte dort Henriette Küchler kennen und heiratete sie. In den folgenden zwanzig Jahren bekamen sie elf Kinder, zogen viele Male um, und überall arbeitete Hahnemann als Arzt und schrieb Veröffentlichungen.

Schließlich war er enttäuscht von der damaligen Medizin und gab die Arzttätigkeit auf, weil er nicht ein "Verschlimmerer des Leidens der Patienten" sein wollte. In der Folge beschäftigte er sich mit Chemie und Schriftstellerei.

Der Chinarindenversuch

1790 übersetzte Hahnemann die Materia Medica (ein Arzneimittelverzeichnis) des englischen Arztes William Cullen. Dieser begründete die Wirksamkeit der Chinarinde (Chinin) beim Wechselfieber. Hahnemann konnte Cullens Argumentation nicht folgen und erprobte die Chinarinde an sich selbst im gesunden Zustand. Er nahm mehrmals etwas Chinarinde ein und stellte fest, daß er jedesmal die ihm bekannten Symptome vom Wechselfieber bekam, ohne an dieser Krankheit zu leiden. Nach kurzer Zeit verschwanden die Symptome wieder und setzten mit der nächsten Einnahme wieder ein.

Auf dem Chinarindenversuch basieren mehrere Prinizipien der Homöopathie:

  • Die Ähnlichkeitsregel
    Hahnemann schloß aus dem Experiment, daß eine Arznei jene Symptome bei einem Kranken heilen könne, welche sie bei einem Gesunden erzeugen kann.

  • Die Prüfung von Arzneien an Gesunden
    Seit Hahnemanns Zeiten werden homöopathische Mittel erforscht, indem sie von gesunden Personen eingenommen werden und alle danach auftretenden Symptome protokolliert werden (Arzneimittelprüfungen).

Hahnemanns weiteres Wirken

In der Folge seiner Entdeckung erprobte Hahnemann viele Stoffe an sich selbst, seiner Familie und Ärzten, die sich ihm anschlossen. Außerdem sammelte er Literatur über Vergiftungsfälle aller Art, welche gewissermaßen unfreiwillige Arzneimittelprüfungen darstellten. Er fing an, mit den erprobten Arzneien Patienten zu behandeln und fand seine Theorien bestätigt.

Auf diese Weise entstand innerhalb von 21 Jahren die erste Materia Medica Hahnemanns, in welcher er 63 verschiedene Mittel mit zum Teil weit über 1000 Symptomen beschrieb.

Die Potenzierung der Mittel

Viele von Hahnemann verwendeten Stoffe wirkten sehr intensiv und verursachten erstmal eine starke Verschlimmerung der Beschwerden des Patienten.
Viele Arzneien waren giftig: Tollkirsche (Belladonna) bei fieberhaften Erkrankungen, Bilsenkraut (Hyoscyamus), Giftsumach.
Beides war problematisch bei alten Menschen und chronisch Kranken.
Außerdem wollte Hahnemann einige damals übliche besonders giftige Arzneien wie Arsen und Quecksilber nutzbar machen.

Zunächste verdünnte er die Mittel nur, mußte aber feststellen, daß damit auch die Wirkung schwächer wurde. Dann fing er an, die Mittel intensiv zu verreiben bzw. zu verschütteln. Auf bis heute unerklärliche Weise bekamen die verdünnten Mittel dadurch eine stärkere Wirkung und wirkten zugleich sanfter und mit weniger Nebenwirkungen. Die Kombination aus wiederholter Verdünnung und Verreibung bzw. Verschüttelung bezeichnete Hahnemann als Potenzierung.

Die Potenzierung von homöopathischen Mitteln ist bis heute üblich. Es werden verschiedene Arten der Potenzierung verwendet:

  • C-Potenzen
    waren die ersten von Hahnemann entwickelten Potenzen. Sie werden im Verhältnis 1:100 verdünnt und auf jeder Stufe 10x verschüttelt.
  • D-Potenzen
    sind im wesentlichen nur in Deutschland gebräuchlich. Sie werden im Verhältnis 1:10 verdünnt und auf jeder Stufe 10x verschüttelt.
  • LM-Potenzen
    sind das Spätwerk von Hahnemann. Er verdünnte sie stärker, nämlich im Verhältnis 1:50000 und verschüttelte auch intensiver, nämlich 100x pro Stufe. Diesen Potenzen schrieb Hahnemann eine besonders sanfte und zugleich intensive Wirkung zu.

Dieser Text wird demnächst noch für Sie erweitert...


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